Level 3 kauft Global Crossing

posted by Christopher Kunz
Apr 11

Ein Raunen geht durch den Carriermarkt: Level3 kauft Global Crossing. Wie das Newsportal “Data Center Knowledge” in einem aktuellen Posting schreibt, wird der Deal an der Börse durch einen Aktientausch abgewickelt und hat ein Volumen von insgesamt 3 Milliarden US-Dollar.

Damit bildet sich ein IP-Carrier-Gigant heraus, der alleine einen Großteil des Internet-Traffics abwickelt, denn – so der Analyse-Dienstleister Renesys – Level3 war 2010 die Nummer 1, Global Crossing die Nummer 2 im IP-Carriermarkt.

Die mögliche Kostenersparnis durch den Merger sehen die beiden Unternehmen als gigantisch an: 2.5 Milliarden Dollar an “Synergieeffekten” jährlich sollen durch Einsparungen beim Netz, aber auch den Operations entstehen. Wann und wo genau gespart wird, ist unklar – aber die Zahl von insgesamt 67 Rechenzentren (50 Level3, 17 GBLX) und die redundaten Glasfasernetze werden sicher nicht auf Dauer so bleiben.

Aus Carrierkreisen hieß es jedoch, der Merger sei für bestehende Kunden mindestens noch in den nächsten ein bis zwei Jahren nicht von Bedeutung.


Mar 13

Japan gilt als wichtigster Knotenpunkt für das Internet in Ostasien – hier sind mit JPNAP und JPIX gleich zwei wichtige kommerzielle Exchanges beheimatet. Dementsprechend viele Unterseekabel landen an Japans Küsten – insbesondere im Osten – an.

Unterseekabel in Japan

Unterseekabel in Japan und Epizentrum des Bebens

Die Illustration (Quelle: Telegeography, Markierung von mir) zeigt, daß das Epizentrum und die Quelle des Erdbebens vom 11.03.2011 deutlich von vielen der in Japan anliegenden Unterseekabel entfernt liegen.

Sehr nah am Beben liegen scheinbar:

  • Die TGN-Pacific-Kabel von Tata
  • PC-1
  • Ein Kabel von Japan in die USA

PC-1 W und PC-1 N sind laut der Website der Betreibergesellschaft momentan nicht in Betrieb; und auch EAC ist laut Renesys an zwei Stellen gebrochen.

Die Auswirkungen des Bebens auf das Routing in der AP-Region (AsiaPacific) sind laut Renesys-Blogposting trotzdem gering. Scheinbar sind keine Kabel deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden, so daß die Trafficstatistiken von JPIX und JPNAP keine besondere Veränderung zeigen. Die Statistik des JPIX zeigt (am äußersten rechten Rand der Grafik, QUelle jpix.ad.jp) einen deutlichen Einbruch, der jedoch inzwischen wieder vollständig aufgeholt wurde.

JPIX Traffic statistics

Auch beim JPNAP sieht es unspektakulär aus – weder JPNAP Tokyo1/2 noch JPNAP Osaka zeigen signifikante Einbrüche in den Trafficstatistiken.

Das Fazit der Renesys-Analyse: Die Internet-Konnektivität im asiatischen Raum hat durch das Erdbeben praktisch nicht gelitten – es bleibt aber abzuwarten, ob weitere Folgeprobleme auftreten werden.


Feb 21

Der Autor dieser Zeilen war vor einer gefühlten Ewigkeit Mitbegründer des Internet-Knotens “PriOWL Rheda-Wiedenbrück”, der auf Vereinsbasis von ca. 1995 bis 1998 privaten Nutzern in der ostwestfälischen Kleinstadt eine günstige Internetanbindung zur Verfügung stellte. Ich habe aus einem uralten Backup die Webseite dieses Mini-Providers wieder hergestellt und dank Klaus-Rüdiger Ludwig von der Paderborner Zentrale des PriOWL hat die Seite sogar ihre alte URL wiederbekommen!

Webseite des PriOWL Rheda-Wiedenbrück: http://www.rhwd.owl.de/



Wie auch zuvor Ägypten (siehe auch hier und hier), hat die lybische Regierung die Internetanbindung des nordafrikanischen Landes letzten Samstag für einige Stunden vollständig unterbrochen. Der Routing-Analyst Renesys berichtet davon in einem Blogposting. Schon wenige Stunden später war das Routing der insgesamt 13 BGP, die von Lybien aus in die Welt führen, wieder in Ordnung.

Das gibt Anlaß zu Spekulationen. Handelte es sich um ein einen Test, ob die Unterbrechung der Internetanbindung praktikabel ist? Wurden die lybischen ISPs vergattert, eine Infrastruktur für Web-Zensur einzubauen?


Ägypten ist wieder da!

posted by Christopher Kunz
Feb 2

Ägypten hat seit 11:29 Kairoer Ortszeit wieder Internet. Das bestätigte der Monitoringdienstleister Renesys soeben.



Nachdem Anfang dieser Woche (31.01.2011) die letzten /8er Blöcke an das Asia Pacific NIC (APNIC) vergeben wurden, ist der IPv4-Pool nun bis auf eine “eiserne Reserve” von fünf /8 Blöcken leer. Diese werden am Donnerstag, den 03.02.2011 in einer feierlichen Zeremonie an die RIRs (Regional Internet Registry), also

  • APNIC (Asia Pacific NIC)
  • RIPE (Reseux IP Europeens) NCC
  • AfriNIC (Africa NIC)
  • ARIN (American Registry for Internet Numbers)
  • LACNIC (Latin America and Caribbean Network Information Centre)

vergeben. Zu diesem Ereignis und einer anschließenden Pressekonferenz lädt die NRO (Number Resource Organization) zusammen mit der Internet Corporation for Assigned Named and Numbers (ICANN), der Internet Society (ISOC) und dem Internet Architecture Board (IAB) ein. Ein Webcast dieses Events wird hier abrufbar sein: Webcast des IPv4 Exhaustion Event.

Wer zufällig gerade in Miami, Florida weilt, kann am Donnerstag auch um 09:30 EST im Hotel Intercontinental, Raum “Concourse 2″, aufschlagen und sich den historischen Moment live ansehen.

Damit ist auch die letzte Reserve an IPv4-Adressen erschöpft und wir müssen uns langsam, aber sicher auf ziemliches Gedränge im Adreßraum einstellen.


Ägypten ist vom Internet abgeschnitten

posted by Christopher Kunz
Jan 31

Daß es technisch möglich ist, ein Land vom Internet abzuschneiden, war immer bekannt. Daß es bei manchen Ländern zudem auch relativ einfach ist, läßt sich leicht herleiten. Ägypten hat nun vorexerziert, wovor sich die Opposition auch in vielen anderen arabischen und nordafrikanischen Ländern fürchten dürfte: Sämtliche öffentlich Internetverbindungen gekappt.
Der Routing-Analyst Renesys berichtet in einem aktuellen Posting, wie offenbar in einer konzertierten Aktion kurz vor Mitternacht am 27.01. die großen vier ISP in Ägypten gezwungen wurden, sämtliche BGP-Routen, die ins Land führen, zurückzunehmen. Damit ist Ägypten aktuell zu 93% nullrouted. Wie im Asterix-Comic gibt es jedoch einen kleinen ISP, der noch online ist – Noor Internet (AS20928). Der hosted u.a. die ägyptische Börse und dürfte im Moment einer der meistgefragten ISPs weltweit sein.

Na, Noor Internet, wie fühlt es sich an, Monopolist aus Staatsräson zu sein?


May 25

Für Projekte, die prominent in Suchmaschinen auftauchen sollen, ist es notwendig, eine “kanonische” Domain (meist www.domain.de) zu definieren.
http://domain.de soll dabei aber auch funktionieren – und per 301 Redirect auf http://www.domain.de weiterleiten.

Mit Apache2 geht das folgendermaßen:
RewriteCond %{HTTP_HOST} !^www
RewriteRule /?(.*) http://www.%{HTTP_HOST}/$1 [R=301,L]

Cave: Sollten noch andere Subdomains als “www” existieren (mit eigenen Inhalten womöglich), müssen diese mit weiteren Rewritecond-Statements abgebildet werden.



Am letzten Mittwoch (12.05.2010) waren zwischenzeitlich 4 von 6 der Anycast-Nameserver, die die Top-Level-Infrastruktur für die TLD “.de” stellen, außer Betrieb oder lieferten falsche Daten. Insbesondere letzteres war ein massives Problem, da die Antwort “NXDOMAIN” (Not eXistant DOMAIN) auf eine Anfrage nach einem Hostnamen dazu führt, daß z.b. ein Mailserver Mails direkt bounced anstatt sie (wie es richtig gewesen wäre) so lange in die Queue zu packen, bis wieder ein Nameserver antwortet.
Der DNS-Ausfall war für DENIC somit ein ziemlicher GAU.
Laut DENIC lag dieser GAU daran, daß ein Kopiervorgang, der die komplette .de-Zone betraf, mittendrin abbrach und somit die Zonendatei inkonsistent war. Oder, in eigenen Worten:

Hintergrund dafür war, dass im Rahmen der regelmäßigen 2-stündigen
Aktualisierung der Nameservicedaten auf 12 der 16 Servicestandorte durch
einen unterbrochenen Kopiervorgang die Verteilung einer nicht
vollständigen Aktualisierung (sog. Zonendatei) angestoßen wurde.

Wir erkennen hier aber folgendes: Die besten Redundanzen helfen nichts, wenn nicht sichergestellt ist, daß die redundant vorgehaltenen Dienste stets eine korrekte Datenbasis haben – und wenn nicht durch zentral von einer bestimmten Stelle angestoßene Vorgänge (hier: Kopiervorgang, vmtl. rsync o.ä.) ein Single Point of Failure (oder Error) eingeflanscht wird.

Die Frage ist: wie verhindert man das bei einer riesigen Zone wie .de?


.cn Domain Names

posted by Christopher Kunz
Mar 25

Daß der Hoster/Registrar GoDaddy.com sich öffentlichkeitswirksam aus dem chinesischen Markt zurückzieht, ist ein schöner PR-Coup. Der Grund dafür ist jedoch (Zitat Washington Post) recht nachvollziehbar:
In December, China began to enforce a new policy that required any registrant of a new .cn domain name to provide a color, head-and-shoulders photograph and other business identification, including a Chinese business registration number and physical, signed registration forms.

Das treibt den Aufwand in ungeahnte Höhen für den Registrar und ist schlicht nicht wirtschaftlich machbar. Vor dem Hintergrund, daß .cn Domains in der Vergangenheit durchaus auch einmal für wenige Euro verramscht wurden, eine spannende Entwicklung. Aus Sicht des Spam- und Abuse-Bekämpfers auch nicht zu 100% negativ, denn .cn fiel (eben wegen der günstigen Preise und laxen Registrierungsbedingungen) schon als Schrott-TLD auf.
In welchem Domain-Namespace werden die Viagraspammer nun ihre Domains registrieren?

Unter den neuen Bedingungen werden wir bei Filoo wohl auch eher keine .cn Domainregistrierungen mehr abhandeln – nicht, daß da schon viele Leute gefragt hätten…